Bericht der Gleichstellungsbeauftragten

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde,

 

bei meinen Recherchen zum Thema „Gleichstellung“ bin ich auf einige Nachrichten gestoßen, die aus Frauensicht zum Teil positiv sind, die aber auch ein Kopfschütteln hervorrufen. Urteilen Sie selbst!

 

An der Spitze der weltweit größten Polizeiorganisation Interpol (190 Mitgliedsstaaten) steht erstmals eine Frau. Die Französin Mireille Ballestrazzi war 1975 zur Kommissarin der französischen Kriminalpolizei ernannt worden und leitete danach als erste Frau eine Spezialeinheit gegen Organisierte Verbrechen. Später war sie die Chefin einer Polizeieinheit zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität.  Die 58-jährige wurde Ende 2012 von der Interpol – Generalversammlung zur Präsidentin gewählt und ist seitdem Chefin von 690 Mitarbeitern aus 98 Ländern.

 

In Italien protestieren Flugbegleiterinnen der Airline Meridiana gegen ihre neuen Uniformen, die nur noch in Größe 36/38 bereitgestellt werden sollen. Weil die Fluglinie auf ein jüngeres, attraktiveres Image setzen will, wurden für die Stewardessen neue figurbetonte Uniformen (mit Seitenschlitz) entworfen. Angeblich rief die Fluggesellschaft die Frauen dazu auf, auf ihr Gewicht zu achten. Ein Sprecher erklärt dies so: „Eine robuste Person ist nicht agil genug an Bord des Flugzeuges.“ In einem Protestbrief an den Eigentümer der Fluggesellschaft bezeichnen die Mitarbeiterinnen die neuen Vorschriften als beleidigend, frauenfeindlich und diskriminierend.

 

Ein indisches Dorf im Bundesstaat Bihar verbietet den Frauen die Handy-Benutzung. Der Dorfrat hat festgestellt, dass die Atmosphäre im Dorf unter dem Handy-Gebrauch der Frauen gelitten habe. Durch das Telefonverbot soll verhindert werden, dass einem Mann die Frau oder Tochter davon laufe.

 

Zum ersten Mal seit der Staatsgründung 1926 ist in Saudi-Arabien eine Frau in einem Schulbuch abgebildet.  Die Frau ist in einem Englischbuch für Gymnasien mit einer Burka vollverschleiert abgebildet. Bisher waren nur Zeichnungen von Frauen zugelassen. Die Fotos zeigen Ärztinnen, Krankenschwestern und Laborantinnen während ihrer Arbeit. Den Nachrichten zufolge ist das Schulbuch ein Experiment und am Ende des Schuljahres wird entschieden, ob die Fotos in den Lehrbüchern bleiben.

 

„Global Board Ready Women“ heißt eine Datenbank der EU mit 8000 hochqualifizierten Frauen, die die strengen Corporate-Governance-Kriterien börsennotierter Unternehmen erfüllen. Dies befähigt die Frauen, sofort eine Führungsposition in Unternehmen einzunehmen.  Jeder Aufnahmeantrag wird bewertet und überprüft. Vorausgesetzt werden z. B.  eine mindestens fünfjährige Erfahrung in einer Funktion als Direktorin staatlicher Stellen oder Unternehmerin, eine wissenschaftliche Spitzenposition oder eine Führungsposition auf Vorstandsebene in börsennotierten oder nichtbörsennotierten Unternehmen . Gute Chancen haben auch Anteilseignerinnen großer Familienunternehmen!

Europaweit sind nur 14 % der Führungsstellen von Frauen besetzt, angestrebt wird laut EU-Kommission aber eine Quote von 40%.

 

Als Abschluss möchte ich Sie über die Erkenntnisse einer Studie zu Frauen im öffentlichen Dienst informieren: Obwohl mehr als die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst Frauen sind, sind sie in Führungspositionen unterrepräsentiert. Die Studie offenbart sogar, dass die Frauenquote in einzelnen Sektoren des öffentlichen Dienstes  noch schlechter ist als die Quote in Wirtschaftsunternehmen. Oft wird Frauen der Zugang in bestimmte Führungsebenen bzw. die Aufstiegschance generell erschwert.  Anders gesagt: Je höher die Hierarchieebene, umso weniger Frauen.

In den Vorständen der Banken und Sparkassen arbeiten gerade einmal 2,5 %  Frauen im Vorstand und bei der derzeitigen Entwicklung wird es „792 Jahre bis zur Gleichstellung in den Geldhäusern dauern, so die Autorin der Studie, Frau Julia Schimeta (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung).

 

Damit schließe ich meinen Bericht und verbleibe

mit herzlichen Grüßen

 

Ihre Petra Schaller

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